Die Average True Range, kurz ATR, fasst die Größe vergangener Preisbewegungen zusammen. Sie misst Volatilität. Eine hohe ATR sagt für sich genommen nicht, ob der nächste Kurs steigt oder fällt.
Was in die True Range eingeht
Für eine Periode werden drei Abstände verglichen: High minus Low, der absolute Abstand zwischen High und vorherigem Close sowie der absolute Abstand zwischen Low und vorherigem Close. Der größte Wert ist die True Range. Damit berücksichtigt die Berechnung auch Sprünge gegenüber dem vorherigen Schluss. TradingView beschreibt die ATR als geglättete Folge dieser Werte; die Glättungsart ist dort einstellbar.
Ein eigenes Rechenbeispiel
Das vorherige Close sei 100, das aktuelle High 105 und das aktuelle Low 102. Die drei Abstände sind 3, 5 und 2. Die True Range beträgt damit 5. Sie ist größer als die sichtbare High-Low-Spanne von 3. Aus einer einzelnen True Range entsteht noch keine vollständige ATR. Dafür werden mehrere Perioden nach der gewählten Methode verarbeitet.

Warum Timeframe und Einheit wichtig sind
Eine ATR auf M15 beschreibt andere Intervalle als eine ATR auf dem Tageschart. Auch die eingestellte Länge verändert die betrachtete Historie. Notiere beides zusammen mit der Einheit. Eine ATR von 5 bei einem Kurs von 100 hat eine andere relative Bedeutung als derselbe Wert bei einem Kurs von 10.000. Ein bloßer Zahlenvergleich zwischen verschiedenen Märkten reicht deshalb nicht.
Eine Beobachtungsübung für deinen Stop-Abstand
Speichere in einer Testserie neben dem geplanten Stop-Abstand auch ATR-Wert, Länge und Timeframe zum Entscheidungszeitpunkt. Stelle später fest, ob deine Stop-Abstände im Verhältnis zur damaligen Bewegung sehr eng oder weit waren. Das ist eine Auswertungsfrage. Es ergibt daraus nicht automatisch die Regel, jeden Stop auf ein bestimmtes ATR-Vielfaches zu setzen. Die Invalidierung deiner Handelsidee bleibt separat zu begründen.
Die wichtigsten Grenzen
Die ATR beruht auf vergangenen Daten und reagiert auf neue Bewegungen. Ein außergewöhnliches Ereignis kann die zuvor beobachtete Größenordnung deutlich überschreiten. Ein niedriger Wert garantiert daher keine ruhige nächste Kerze. Verwende ihn als beschreibende Information und prüfe jede daraus abgeleitete Regel in getrennten Daten. Halte bei Vergleichen Quelle, Einstellungen und Messzeitpunkt konstant. So vermeidest du, dass ein später abgelesener Wert rückwirkend deine Entscheidung besser aussehen lässt.
