KW 38: Fed, BoE und BoJ entscheiden, eine vollgepackte Woche für Bitcoin

Alles in 90 Sekunden
- Fed entscheidet am Mittwoch: Laut Kalenderprognose wird eine Anhebung auf 4,00 % erwartet. Die Pressekonferenz um 20:30 Uhr setzt den Ton für die Risikobereitschaft.
- BoJ entscheidet am Freitag: Der Markt erwartet laut Prognose eine Anhebung von 1,00 auf 1,25 %. Yen-Bewegungen können globale Risikoanlagen kurzfristig beeinflussen.
- Bank of England hält voraussichtlich: Prognose sieht den Leitzins stabil bei 3,75 %. Britische Inflation und Arbeitslosigkeit am Dienstag liefern den Kontext dazu.
- EZB erhöhte Leitzins auf 2,5 %: Die Entscheidung fiel in der Vorwoche und ist eine erledigte Größe. Sie zeigt, dass mehrere Zentralbanken gleichzeitig straffen.
- Bitcoin bei 77.225 Dollar: Wochenminus 3,0 %, Monatplus 22,8 %. Onchain-Signale SOPR und STH-MVRV sind neutral, kein Anzeichen für ausgeprägte Panikverkäufe.
- ETF-Daten bleiben außen vor: Die Quelle deckt nicht alle Handelstage ab. Deshalb enthält diese Ausgabe daraus weder Wochensumme noch Signal.
- Revolut-Datenpanne: Bitcoin-Aktivitätsdaten und Pässe wurden nach gefälschter Behördenanfrage weitergegeben. Mögliche regulatorische Folgediskussionen sind zu beobachten.
- Circle kauft Tazapay für 400 Mio. Dollar: Investition in grenzüberschreitende Zahlungsinfrastruktur zeigt anhaltende Stablecoin-Expansion im B2B-Segment.
Wochenrückblick
Rückgang trotz Monatsstärke: Bitcoin notiert zum Wochenbeginn bei 77.225 Dollar, was einem Minus von 3,0 Prozent gegenüber der Vorwoche entspricht. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 22,8 Prozent. Ether hält sich mit 2.507 Dollar und einem Wochenplus von 0,7 Prozent etwas stabiler.
Zwei Makroereignisse prägten die vergangenen Tage besonders. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins auf 2,5 Prozent angehoben, wie die Tagesschau berichtete. Kanadas Gegenzölle auf US-Importe traten ebenfalls in Kraft und drückten Bitcoin nach Berichten der Tagesschau zeitweise unter die Marke von 79.000 Dollar. Daneben sorgte eine Datenpanne bei Revolut für Aufsehen: Laut CoinDesk wurden Bitcoin-Aktivitätsdaten und Passinformationen von Nutzern nach einer gefälschten Behördenanfrage weitergegeben. Im Stablecoin-Segment ging das Angebot innerhalb von sieben Tagen um 0,18 Milliarden Dollar zurück, was als möglicher Liquiditätshinweis gelten kann, aber keinen Beweis für Kapitalabfluss darstellt.
Die wichtigsten Termine der Woche

Drei Zentralbanken, ein kurzes Zeitfenster: Von Dienstag bis Freitag trifft sich das Makrogeschehen dieser Woche in einer Dichte, die selten ist. Fed, Bank of England und Bank of Japan entscheiden alle innerhalb von drei Tagen. Dazwischen liefern britische Inflation, japanische Handelsdaten und US-Einzelhandelsumsätze das Datenmaterial, das den Kontext für die Entscheide setzt.
- Di. 15.09., 08:00 Uhr: Britische Arbeitslosenquote (Prognose 5,0 %, Vorwert 4,9 %)
- Di. 15.09., 11:00 Uhr: ZEW-Konjunkturerwartungen Eurozone (Prognose 37, Vorwert 34,2)
- Mi. 16.09., 08:00 Uhr: Britische Inflationsrate YoY (Prognose 3,1 %, Vorwert 2,9 %)
- Mi. 16.09., 14:30 Uhr: US-Einzelhandelsumsätze MoM (Prognose +0,9 %, Vorwert -0,6 %)
- Mi. 16.09., 20:00 Uhr: Fed-Zinsentscheid mit FOMC-Projektionen (Prognose 4,00 %, Vorwert 3,75 %), danach Pressekonferenz um 20:30 Uhr
- Do. 17.09., 13:00 Uhr: Bank-of-England-Zinsentscheid (Prognose 3,75 %, Vorwert 3,75 %)
- Fr. 18.09., 05:00 Uhr: Bank-of-Japan-Zinsentscheid (Prognose 1,25 %, Vorwert 1,00 %)
Mittwoch bis Freitag konzentrieren sich die drei wichtigsten geldpolitischen Entscheide der Woche. Wer Positionen über den Fed-Entscheid hinaus hält, sollte sich auf erhöhte Volatilität in beide Richtungen einstellen.
Zinsen und Makro Daten
Die Fed Entscheidung ist der zentrale Szenariotest: Der Kalender erwartet am Mittwoch eine Anhebung von 3,75 auf 4,00 Prozent. Ein Schritt um 25 Basispunkte wäre damit zunächst die Bestätigung der Erwartung und nicht automatisch eine neue negative Überraschung. Für Bitcoin dürfte entscheidender sein, welchen weiteren Zinspfad die Projektionen andeuten und wie die Notenbank diesen Kurs in der Pressekonferenz ab 20:30 Uhr begründet. Signalisiert sie eine längere oder schnellere Straffung als erwartet, könnte das die Risikobereitschaft belasten. Bleibt der Ausblick stärker datenabhängig und deutet keinen beschleunigten Zinspfad an, würde dagegen ein Teil des Überraschungsrisikos entfallen. Beides sind bedingte Szenarien, keine Prognosen.
Der globale Kontext erhöht die Aussagekraft: Für Freitag erwartet der Kalender auch von der Bank of Japan eine Anhebung von 1,00 auf 1,25 Prozent, während die Bank of England ihren Leitzins voraussichtlich bei 3,75 Prozent hält. Damit treffen unterschiedliche geldpolitische Signale innerhalb von drei Tagen aufeinander. Die US-Einzelhandelsumsätze am Mittwoch liefern kurz vor der Fed Entscheidung einen zusätzlichen Konjunkturimpuls. Erwartet wird nach minus 0,6 Prozent im Vormonat ein Plus von 0,9 Prozent. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelner Datenpunkt, sondern ob Zinsentscheid, Projektionen und Konjunkturdaten gemeinsam ein restriktiveres oder weniger restriktives Liquiditätsbild ergeben.
Bitcoin Onchain Daten

SOPR bei 1,005: Der Spent Output Profit Ratio liegt minimal über 1. Das bedeutet, dass die im Schnitt bewegten Coins mit einem sehr kleinen Gewinn verkauft werden. Ein klares Anzeichen für Panikverkäufe ist das nicht, aber auch kein starkes Kaufsignal. Der Markt bewegt sich in einem neutralen Bereich.
STH-MVRV bei 1,13: Kurzfristige Halter sitzen im Schnitt noch leicht im Plus. Werte in diesem Bereich deuten historisch auf eine moderate Lage hin. Ein Rückfall unter 1,0 würde bedeuten, dass kurzfristige Käufer unter Wasser geraten, was erfahrungsgemäß den Verkaufsdruck erhöht.
Stablecoin-Angebot gesunken: Das verfügbare Stablecoin-Angebot ist in den vergangenen sieben Tagen um 0,18 Milliarden Dollar zurückgegangen. Das ist ein möglicher Liquiditätshinweis, aber kein Beweis für einen direkten Kapitalabfluss aus dem Krypto-Markt. Ich interpretiere diese Zahl als ein Detail unter mehreren, nicht als alleiniges Signal.
Bitcoin ETFs im Überblick
Datenlage bewusst offen: Die Quelle deckt nicht alle Handelstage bis zum Redaktionsschluss ab. Deshalb nenne ich in dieser Ausgabe keine ETF-Wochensumme und leite aus dem unvollständigen Ausschnitt kein Signal ab.
Volume Profil / Money Flow

Marktposition am oberen Rand des Volumenbereichs: Das Profil verteilt das Volumen jeder Kraken-4-Stunden-Kerze gleichmäßig über ihre Preisspanne und bleibt deshalb eine Näherung. Rund 70 Prozent des so erfassten Volumens der letzten 90 Tage liegen zwischen 60.000 und 80.000 Dollar, die meistgehandelte Einzelstufe liegt bei 64.000 Dollar. Mit 77.225 Dollar notiert Bitcoin im oberen Viertel dieses breiten Akzeptanzbereichs und nur 1.275 Dollar unter der nächsten Volumenverdichtung bei 78.500 Dollar. Der Markt handelt damit nicht in einem leeren Preisraum, sondern prüft den oberen Teil eines historisch stark gehandelten Bereichs.
Die Reaktion an 78.500 Dollar ist der entscheidende Szenariotest: Hält sich der Kurs nach einem Anstieg oberhalb dieser Zone und entsteht dort weiteres Handelsvolumen, spricht das für neue Akzeptanz auf höherem Niveau. Scheitert der Kurs dagegen wiederholt an der Zone und fällt zurück, bleibt Bitcoin innerhalb der bisherigen Balance. Auf der Unterseite markieren 65.000 Dollar und die meistgehandelte Stufe bei 64.000 Dollar den nächsten stärkeren Referenzbereich. Diese Marken sind weder Kursziele noch automatische Unterstützungen oder Widerstände. Das Näherungsmodell zeigt, wo in der Vergangenheit viel gehandelt wurde, ersetzt aber weder ein exaktes Volume-at-Price noch die aktuelle Orderbuchanalyse.
Was ich diese Woche beobachte
Mein Fokus liegt auf dem Mittwoch: Der Fed-Entscheid, die FOMC-Projektionen und die unmittelbar folgende Pressekonferenz sind die wichtigsten Ereignisse der Woche. Wie der Markt in den Stunden danach reagiert, gibt oft mehr Orientierung als die Entscheidung selbst. Dazu kommen drei konkrete Punkte, die ich im Blick behalte.
- Fed-Ton und Projektionen: Ob der Zinsschritt als einmaliger Schritt oder als Teil einer weiteren Straffungssequenz kommuniziert wird, dürfte die Risikobereitschaft im Markt bestimmen.
- BoJ-Entscheid am Freitag: Eine Anhebung auf 1,25 Prozent wäre laut Prognose ein weiterer Normalisierungsschritt der japanischen Geldpolitik. Yen-Bewegungen nach dem Entscheid können kurzfristig globale Risikoassets beeinflussen.
- Bitcoin um 78.500 Dollar: Die nächste dicht gehandelte Zone oberhalb des Kurses liegt laut Näherungsmodell dort. Wie der Kurs auf diesen Bereich reagiert, ist beobachtungswürdig.
- Revolut-Datenpanne und Regulierung: Die in der Vorwoche gemeldete Weitergabe von Bitcoin-Aktivitätsdaten an Betrüger könnte politische und regulatorische Reaktionen nach sich ziehen. Ich verfolge, ob daraus kurzfristige Regulierungsdiskussionen entstehen.
Meine Sicht
Diese Woche ist ungewöhnlich dicht: Drei Zentralbankentscheide zwischen Mittwoch und Freitag, dazu US-Konsumentendaten und ein frischer EZB-Schritt im Rücken. Bitcoin hat auf Wochenbasis nachgegeben, hält aber auf Monatssicht deutliche Gewinne. Die Onchain-Signale sind neutral, nicht alarmierend. Ich sehe keinen Grund zur Panik, aber auch keinen für übertriebene Gelassenheit.
Was mich am meisten beschäftigt: Wenn Fed und BoJ in der gleichen Woche straffen, verändert das den globalen Liquiditätsrahmen. Risikoanlagen wie Bitcoin reagieren auf diese Verschiebungen manchmal verzögert, manchmal sofort. Ich halte es für klug, diese Woche mit besonderer Aufmerksamkeit zu verfolgen und weniger auf Kursbewegungen zu reagieren als auf die Sprache der Notenbanken.
Der Circle-Deal mit Tazapay für 400 Millionen Dollar zeigt, dass im Stablecoin- und Zahlungsbereich weiter in Infrastruktur investiert wird. Das ist ein struktureller Hintergrundton, der wenig mit dem Preis dieser Woche zu tun hat, aber mittelfristig das Fundament des Sektors mitformt.
Stand: Sonntag, 13. September 2026, 21:24 Uhr deutsche Zeit. Quellen: Federal Reserve · Bank of England · Bank of Japan · TradingView Wirtschaftskalender · CoinGecko · bitcoin-data.com · Kraken · Revolut gibt Bitcoin-Daten und Pässe an Betrüger weiter:… · EZB hebt Leitzins auf 2,5 Prozent · Circle kauft Zahlungsfirma Tazapay für 400 Millionen… · Kanadas Gegenzölle auf US-Importe in Kraft:….
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung zu Bildungszwecken und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Der Handel mit Kryptowährungen und Hebelprodukten ist mit erheblichen Risiken verbunden.