KW 45: Midterms, BoE-Entscheid und Bitcoin unter Druck

Alles in 90 Sekunden
- Bitcoin bei 77.972 Dollar, minus 9,9 % in 30 Tagen: Der Markt verlor im Oktober deutlich an Boden. Onchain-Daten wie SOPR und STH-MVRV zeigen keine Panikverkäufe, aber auch keine breite Akkumulation.
- Binance-Exploit über 6,3 Milliarden Dollar: Der aufgedeckte Breach ist einer der größten in der Krypto-Geschichte. Auszahlungen sollen am Sonntag wiederaufgenommen werden. Das Vertrauen in zentrale Infrastruktur bleibt unter Druck.
- US-Midterm Elections am Dienstag: Das politische Kräfteverhältnis im US-Kongress entscheidet mit darüber, welche Regulierungs- und Fiskalpolitik in den nächsten zwei Jahren möglich ist, relevant für alle Risikomärkte.
- Bank of England entscheidet Donnerstag: Laut Kalender wird ein Anstieg von 3,75 auf 4,00 Prozent prognostiziert. Ton und Ausblick der BoE sind mindestens so wichtig wie die Zahl selbst.
- Non Farm Payrolls am Freitag: Prognose 65.000 neue Stellen nach 29.000 im Vormonat. Ein stark abweichendes Ergebnis beeinflusst die Zinspfad-Erwartungen in den USA für die nächsten Monate.
- ETF-Flows an einzelnen Tagen: 28.10.2026: ein Nettozufluss von 1.690,10746368 Bitcoin. 29.10.2026: ein Nettozufluss von 219,96733985 Bitcoin. Die Angaben beziehen sich auf diese Beobachtungstage.
- Stablecoin-Angebot minus 4,13 Milliarden Dollar in 7 Tagen: Das ist ein möglicher Liquiditätshinweis. Weniger Stablecoins in Warteposition bedeutet potenziell weniger frisches Kapital, das kurzfristig eingesetzt werden kann.
- RBA entscheidet Dienstag früh: Prognose laut Kalender: Anstieg des Cash Rate von 4,60 auf 4,85 Prozent. Ein weiterer restriktiver Schritt Australiens könnte das globale Zinsbild für Schwellenländer und Rohstoffmärkte beeinflussen.
Wochenrückblick
Schwacher Oktober, angespannte Lage: Bitcoin schloss die vergangenen sieben Tage mit einem Minus von 2,9 Prozent und notiert aktuell bei rund 77.972 Dollar. Auf 30-Tage-Sicht beträgt der Rückgang 9,9 Prozent, Ether verlor im gleichen Wochenzeitraum 2,7 Prozent auf 2.270 Dollar. Der Markt befindet sich damit in einer Phase anhaltenden Drucks, ohne dass ein klarer Käufer das Zepter übernommen hätte.
Binance-Exploit erschüttert das Vertrauen: Die dominierende Einzelmeldung der Woche war die Aufdeckung eines 6,3 Milliarden Dollar schweren Exploits bei Binance. Laut einem Bericht von CoinDesk vom 30. Oktober wurden die Auszahlungen zeitweilig ausgesetzt und sollen am Sonntag wiederaufgenommen werden. Ereignisse dieser Größenordnung belasten das Marktvertrauen spürbar und erhöhen die Vorsicht institutioneller und privater Marktteilnehmer gleichermaßen.
Die wichtigsten Termine der Woche

Dichte Terminfolge von Montag bis Freitag: Die Woche ist außergewöhnlich vollgepackt. Politische Ereignisse, geldpolitische Entscheide und Arbeitsmarktdaten treffen zeitlich zusammen und könnten für erhöhte Volatilität in nahezu allen Risikoklassen sorgen.
- Mo., 02.11., 16:00 Uhr: ISM Manufacturing PMI (USA), Prognose 54,7 nach zuletzt 54,5
- Di., 03.11.: US-Midterm Elections, kein Prognosewert, politisches Schlüsselereignis
- Di., 03.11., 04:30 Uhr: Reserve Bank of Australia entscheidet über den Cash Rate, Prognose 4,85 Prozent nach zuletzt 4,60 Prozent
- Mi., 04.11., 11:00 Uhr: Eurozone Inflationsrate YoY Flash, Prognose 3,9 Prozent nach zuletzt 3,8 Prozent
- Do., 05.11., 13:00 Uhr: Bank of England entscheidet über den Leitzins, Prognose 4,00 Prozent nach zuletzt 3,75 Prozent
- Fr., 06.11., 14:30 Uhr: Non Farm Payrolls (USA), Prognose 65.000 nach zuletzt 29.000; Arbeitslosenquote Prognose 4,2 Prozent
Diese Woche liefern Midterms und Zentralbanken gleichzeitig. Wer nur auf einen Termin achtet, verliert den Kontext der anderen. Ich werde alle fünf Tage eng begleiten.
Zinsen und Makro Daten
Reserve Bank of Australia unter Beobachtung: Laut Kalender wird für Dienstag ein Anstieg des australischen Cash Rate von 4,60 auf 4,85 Prozent erwartet. Das wäre ein weiterer Schritt in einer laufenden Straffungsphase. Da kein quantitativer Prognosewert für das begleitende Statement und die Pressekonferenz geliefert wird, bleibt der Ton der RBA der entscheidende Faktor. Bestätigt die RBA eine Pause nach diesem Schritt, fällt die Reaktion anders aus als bei einem Hinweis auf weitere Erhöhungen. Die Eurozone-Inflation am Mittwoch mit einer Prognose von 3,9 Prozent, nach 3,8 Prozent im Vormonat, deutet auf weiter erhöhten Preisdruck hin, was den Handlungsspielraum der Europäischen Zentralbank begrenzt bleibt.
Bank of England und US-Arbeitsmarkt als Wochenhöhepunkte: Für Donnerstag prognostiziert der Kalender einen Anstieg des britischen Leitzinses von 3,75 auf 4,00 Prozent. Ob die Bank of England tatsächlich so entscheidet, bleibt bis zur Veröffentlichung offen. Fiele der Entscheid weniger restriktiv aus als erwartet, würde das Pfund unter Druck geraten und könnte kurzfristig risikofreudigere Zuflüsse in andere Assetklassen begünstigen. Bestätigt die BoE hingegen die prognostizierten 4,00 Prozent und deutet weitere Schritte an, dürfte das globale Risikoumfeld belastet bleiben. Am Freitag folgen die Non Farm Payrolls: Laut Kalender werden 65.000 neue Stellen erwartet nach 29.000 im Vormonat. Ein deutlich stärkerer Wert könnte die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen in den USA festigen; ein schwächerer Wert würde den Druck auf die Fed erhöhen, die Pause länger zu halten.
Bitcoin Onchain Daten

SOPR nahe der Nulllinie: Der Spent Output Profit Ratio liegt aktuell bei 1,0026. Dieser Wert zeigt, dass verkaufte Coins im Schnitt kaum über ihrem Einkaufspreis veräußert werden. Es gibt keinen größeren Verkaufsdruck durch Gewinnmitnahmen, aber auch keine ausgeprägte Akkumulationsbereitschaft auf breiter Front. Der Markt bewegt sich in einer neutralen Zone.
Stablecoin-Angebot als Hinweis: Das STH-MVRV von 1,0236 zeigt, dass kurzfristige Halter derzeit leicht im Gewinn sind, aber keinen starken Anreiz haben, ihre Positionen aufzulösen. Das Stablecoin-Angebot ist in den letzten sieben Tagen um 4,13 Milliarden Dollar zurückgegangen. Das Stablecoin-Angebot ist ein möglicher Liquiditätshinweis, kein Beweis für Kapitalabfluss. Ein fallendes Angebot kann bedeuten, dass weniger frisches Kapital in Warteposition steht. Im aktuellen Umfeld ist das ein Hinweis, den ich im Blick behalte, ohne daraus eine Richtungsprognose abzuleiten.
Bitcoin ETFs im Überblick

Datierte ETF-Tagesbewegungen: Am 28.10.2026 wurde ein Nettozufluss von 1.690,10746368 Bitcoin erfasst. Am 29.10.2026 wurde ein Nettozufluss von 219,96733985 Bitcoin erfasst. Diese Werte beschreiben die Bewegungen an den genannten Tagen.
Mehrere Handelstage im Zusammenhang: Einzelne Tagesbewegungen gewinnen durch ihre zeitliche Folge an Aussagekraft. Ein hoher Bestand und ein Zufluss an einem Tag beantworten unterschiedliche Fragen. Für die Einordnung zählt deshalb auch, ob sich Zu- oder Abflüsse über mehrere Tage fortsetzen.
Volume Profil / Money Flow

Kurs innerhalb der Kernzone: Basierend auf einer Näherung aus Kraken-4-Stunden-Kerzen, bei der das Volumen gleichmäßig über die Preisspanne jeder Kerze verteilt wird, liegt die Kernzone der letzten 90 Tage zwischen 76.500 und 84.500 Dollar. Der aktuelle Kurs von 77.932 Dollar befindet sich damit innerhalb dieser Balance. Die meistgehandelte Stufe in diesem Zeitraum liegt bei rund 77.500 Dollar, was dem aktuellen Niveau sehr nahekommt. Die nächste dicht gehandelte Stufe unterhalb des Kurses liegt bei 76.500 Dollar, die nächste oberhalb bei 79.500 Dollar. Der aktuelle Kurs bewegt sich also in einem historisch aktiven Referenzbereich, ohne klare Positionierung nach oben oder unten. Dieses Modell ersetzt weder ein exaktes Volume-at-Price noch aktuelle Orderbuchdaten.
Zwei bedingte Szenarien: Sollte Bitcoin die Stufe bei 79.500 Dollar nachhaltig akzeptieren und sich dort festigen, wäre das erste Szenario eine Bewegung in Richtung des oberen Bereichs der Kernzone bei 84.500 Dollar. Diese Zonen sind historische Referenzbereiche, keine automatischen Widerstände oder Unterstützungen. Im zweiten Szenario lehnt der Markt höhere Niveaus ab und kehrt in die bisherige Balance zurück. In diesem Fall rückt die Stufe bei 76.500 Dollar als nächster historisch relevanter Referenzbereich in den Fokus. Beide Szenarien sind bedingt und hängen maßgeblich vom Makrokontext dieser Woche ab.
Was ich diese Woche beobachte
Mehrere Auslöser gleichzeitig: Selten fallen in einer einzigen Woche politische, geldpolitische und makroökonomische Ereignisse so dicht zusammen. Ich werde keine einzelne Zahl isoliert bewerten, sondern die Reaktionskette im Blick behalten.
- Ergebnis der US-Midterm Elections und erste Marktreaktion in der Nacht auf Mittwoch
- Ton der RBA nach dem erwarteten Zinsschritt: Pause oder Hinweise auf weitere Erhöhungen?
- BoE-Entscheid am Donnerstag und Abweichung von der Prognose von 4,00 Prozent
- Non Farm Payrolls am Freitag: Überraschung nach oben oder unten gegenüber den erwarteten 65.000 neuen Stellen
Meine Sicht
Neutrales Terrain mit externem Risiko: Bitcoin hält sich technisch betrachtet innerhalb seiner 90-Tage-Balance, die Onchain-Daten sind nicht alarmierend, aber auch nicht konstruktiv bullish. Das sind Bedingungen, in denen ich persönlich keine übereilten Schlüsse ziehe. Die Marktteilnehmer warten erkennbar auf Klarheit, und diese Woche liefert davon reichlich.
Der Binance-Exploit bleibt ein offenes Thema: Die Wiederaufnahme der Auszahlungen ist ein wichtiger erster Schritt, aber das Vertrauen in die größte Börse der Welt wird sich nicht in einer Woche vollständig erholen. Ich beobachte, wie der Markt mit der Rückkehr zum Normalbetrieb umgeht, und welche Flows sich in den nächsten Tagen in den ETF-Daten abzeichnen.
Meine persönliche Priorität diese Woche: Ich lege mehr Gewicht auf die Kombination aus Midterm-Ergebnis und NFP-Überraschung als auf jeden einzelnen Termin. Beide zusammen können den Risikoappetit für Wochen prägen. Ich halte mich an die Fakten, wenn sie vorliegen, und ziehe keine voreiligen Schlüsse aus ersten Schlagzeilen.
Stand: Sonntag, 1. November 2026, 16:02 Uhr deutsche Zeit. Quellen: Federal Reserve · Bank of England · Bank of Japan · TradingView Wirtschaftskalender · CoinGecko · bitcoin-data.com · Kraken · Binance-Hack: 6,3 Milliarden Dollar Exploit aufgedeckt,….
Passend dazu
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung zu Bildungszwecken und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Der Handel mit Kryptowährungen und Hebelprodukten ist mit erheblichen Risiken verbunden.