Dein Journal zeigt mehr als Gewinn und Verlust

Am Abend steht ein grünes Ergebnis im Konto. War das gutes Trading? Vielleicht. Vielleicht hast du aber auch deinen Stop verschoben, die Positionsgröße verdoppelt und wurdest trotzdem mit einem Gewinn belohnt. Ein Journal hilft dir, das Ergebnis von der Qualität deiner Entscheidung zu trennen.
Halte fest, was du vorher wusstest
Notiere den Grund für den Trade, das geplante Risiko und die vorgesehenen Bedingungen vor dem Einstieg. Ergänze anschließend die tatsächlichen Ein- und Ausstiege sowie relevante Kosten. Die CME empfiehlt ein Trade Log mit Entscheidungsgründen und einer Nachbereitung des Ablaufs. Der Kontostand allein liefert diese Informationen nicht.
Ein Screenshot vor dem Entry ist dafür besonders praktisch. Darauf müssen nicht möglichst viele Linien stehen. Eine markierte Ausgangssituation und ein verständlicher Satz zur geplanten Entscheidung genügen als Anfang. Nach dem Trade speicherst du einen zweiten Screenshot und beschreibst die Abweichung zwischen Plan und Umsetzung.
Zwei Trades, zwei unterschiedliche Aufgaben
Nehmen wir zwei erfundene Einträge. Trade A endet mit 80 Euro Gewinn. Allerdings war keine geplante Bestätigung vorhanden, und der Entry erfolgte spontan. Trade B endet mit 50 Euro Verlust. Die Bedingungen waren erfüllt, die Größe war korrekt berechnet und der Stop wurde wie vorgesehen ausgeführt.
Wenn du nur die Geldbeträge vergleichst, erscheint A besser. Für die Arbeit an deinem Verhalten entsteht ein anderes Bild: Bei A musst du den ungeplanten Einstieg untersuchen. Bei B prüfst du, ob du deinen Ablauf tatsächlich eingehalten hast und wie dieser Trade in eine längere Serie vergleichbarer Fälle passt. Keiner der beiden Einträge beweist für sich, ob die Strategie einen Vorteil hat.
Vergleiche Ergebnisse mit dem ursprünglich geplanten Risiko
Eine mögliche zusätzliche Kennzahl ist R. Dafür definierst du ein R als den vor dem Trade geplanten Risikobetrag. Beträgt dieser im Beispiel 50 Euro und der tatsächliche Nettoverlust 55 Euro, ergibt sich ein Ergebnis von minus 1,1 R. Gebühren und Ausführungsabweichungen bleiben dadurch sichtbar. Die Bezugsgröße wird nachträglich nicht passend verändert.
Diese Rechnung vereinheitlicht die Darstellung, ersetzt aber keine vollständige Auswertung. Notiere weiterhin die Eurobeträge und die verwendete Berechnung. Sonst kann eine sauber aussehende Kennzahl verdecken, dass du Kosten ausgelassen oder Risiken unterschiedlich definiert hast.
Wähle eine konkrete Frage für deinen Rückblick
- Bei welchen Trades bin ich vor der geplanten Bestätigung eingestiegen?
- Wann habe ich meine vorgesehene Größe verändert?
- Welche Abweichungen lassen sich durch Kosten oder Ausführung erklären?
- Welche Bedingung habe ich vor dem Entry zu ungenau beschrieben?
Bearbeite zunächst eine dieser Fragen anhand deiner Einträge. Formuliere anschließend eine überprüfbare Änderung für deinen Ablauf und halte sie ebenfalls fest. Beim nächsten Rückblick kannst du prüfen, ob du diese Änderung umgesetzt hast. Dein Journal bekommt damit einen konkreten Zweck, der über das Sammeln schöner Gewinn-Screenshots hinausgeht.
Quellen & weiterführende Informationen
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Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung zu Bildungszwecken und keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Der Handel mit Kryptowährungen und Hebelprodukten ist mit erheblichen Risiken verbunden.